1914-1918 – Die Entwicklung der Dinge

02.01.1916 Der Erzherzog kommt!

/ / Am Isonzo 1.7.1915-31.3.1916

Der Erzherzog kommt. Die Tapferen fallen auf!

Ein großer Tag liegt hinter uns.

Der Kommandant des 7. Korps, Erzherzog Josef, hatte sein Erscheinen angekündigt. Die ganzere Batterie schmiss sich in Wichs, marschierte schon am Vormittag zur Feuerstellung und nahm dort Aufstellung.

Als neugebackener Unteroffizier stand ich zum ersten Mal mit vor der Front. Mich beschlich ein eigenartiges, gewichtiges Gefühl. — Doch war ich gar bald zu Tode beschämt.

Als der Erzherzog seine Ansprache beendet und die Front abgeschritten hatte, rief er plötzlich und “ausgerechnet” die am Weihnachtsabend Ausgezeichneten zu sich, um ihnen die verliehene Tapferkeitsmedaille höchsteigenhändig an die Brust zu heften.

Er erkundigte sich dabei eingehend nach Name, Stand, Eltern und Kriegszeit eines jeden und wollte zum Schluss noch gern wissen, welche “Heldentaten” wir an der Isonzofront verbracht hätten. Da war der Kladderadatsch da!

Mir selbst gelang es eben noch, diese heikle Klippe einigermaßen zu umsegeln; anders aber erging es meinem Nachbarn zur Linken. Zwischen ihm und dem Erzherzog entspann sich folgendes Gespräch:

Erzherzog: “Nun, mein Lieber, woher stammen Sie?”

Kanonier: “Aus Bayern, Kaiserliche Hoheit!”

Erzherzog: “Und Ihre Eltern leben noch?”

Kanonier: “Jawohl, Kaiserliche Hoheit!”

Erzherzog: “Seit wann sind Sie im Felde?”

Kanonier: “Seit Juni, Kaiserliche Hoheit!”

Erzherzog: “Und welche Stellung bekleiden Sie in der Batterie?”

Kanonier: “Ich bin — Batteriekoch, Kaiserliche Hoheit!”

Angesichts solcher Überraschungen schien es der Erzherzog doch für geraten zu halten, das Verhör einzustellen. Und das war gut so. Denn, ich glaube, selbst unser Batterieführer, aus dessen Hand ja die Vorschläge für die Auszeichnung der “Tapferen” stammten, fühlte sich dabei nicht mehr recht wohl. Wäre nun nach dem Batterieschreiber und dem Batteriekoch auch noch der Batterieschuster zu Worte gekommen, wir hätten uns schön blamoren.

So aber verlief noch alles in bester Harmonie. Die Feier war gar bald beendet und durch den größten Dreck, den man sich auf Gottes Erdboden denken kann, ging es mit froher Laune und fröhlichem Sang wieder heimwärts.

Der nächste Tagebucheintrag folgt am 04.01. – Zudem folgem am 03.01. noch einige Fotos.